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Was hat man zu erwarten?
Hans-Christoph Koller (DGfE)
Im Studium der Erziehungswissenschaft erwarten einen – wie in jedem Studium eines wissenschaftlichen Faches – zunächst einmal Texte, die man lesen und verstehen, sowie Begriffe und Theorien, mit denen man sich gedanklich auseinandersetzen muss. Das ist für viele Studierende eine Herausforderung – und zwar insbesondere dann, wenn sie dieses Fach gewählt haben, weil sie davon ausgehen, dass man es dort vor allem mit (jüngeren) Menschen zu tun habe.

Dass die Ausbildung für pädagogische Berufe ein wissenschaftliches Studium voraussetzt, hat seine guten Gründe. Denn Pädagoginnen und Pädagogen benötigen mehr als Routinewissen, und pädagogisches Handeln besteht in anderem als in der Befolgung von Rezepten. Das liegt zum einen daran, dass das pädagogische Wissen – wie in allen Wissenschaften – umstritten ist und man deshalb in der Lage sein muss, sich angesichts unterschiedener Konzepte und Theorien selbst ein Urteil zu bilden. Zum andern sind sowohl die Menschen als auch die Situationen, mit denen man es im pädagogischen Handeln zu tun bekommt, so verschieden und einzigartig, dass es immer wieder darum geht, das im Studium erworbene Wissen so abzuwandeln oder weiterzuentwickeln, dass es dieser Einzigartigkeit gerecht wird. Und drittens hat es das pädagogische Handeln, insofern es der Vorbereitung Heranwachsender auf ihr zukünftiges Leben gilt, stets mit Zukunft zu tun, die bekanntlich zu großen Teilen ungewiss ist. Pädagoginnen und Pädagogen benötigen deshalb über Rezept- und Routinewissen hinaus Urteilsfähigkeit (um sich angesichts der Vielzahl und Verschiedenheit pädagogischen Wissens selbst ein Urteil zu bilden), die Fähigkeit, pädagogisches Wissen auf je besondere Menschen und Situationen zu beziehen, und schließlich die Fähigkeit, pädagogisches Wissen im Blick auf sich verändernde Anforderungen weiterzuentwickeln.

Um diese Fähigkeiten auszubilden, die man zusammen genommen als pädagogische Reflexionskompetenz bezeichnen kann, bietet ein wissenschaftliches Studium gute Bedingungen, weil die Auseinandersetzung mit Begriffen und Theorien dort relativ entlastet von den Handlungszwängen der Praxis erfolgt und pädagogische Konzepte in Ruhe darauf hin geprüft werden können, was sie zum Verständnis pädagogischer Problemkonstellationen und zur Entwicklung von Handlungsmöglichkeiten beitragen. Die Auseinandersetzung mit Theorien und Konzepten, die einen im Studium der Erziehungswissenschaft erwartet, hat also ihren Sinn, und Studierende sollten die Bereitschaft mitbringen, sich auf solche theoretische Auseinandersetzungen einzulassen, auch wenn sie ihnen manchmal zunächst eher abstrakt erscheinen mögen.