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Was ist Erziehungswissenschaft nicht?
Ingrid Miethe (DGfE)
Wenn man ein Studium der Erziehungswissenschaft auf Bachelor oder Masterniveau studiert, so wird man damit nicht Lehrer/in! Zwar ist es in manchen Bundesländern möglich mit dem BA später in ein Lehramtsstudium zu wechseln, wenn man jedoch die Absicht hat Lehrer/in zu werden, so ist es günstiger von vornherein ein Lehramtsstudium aufzunehmen. Selbstverständlich müssen auch angehende Lehrkräfte erziehungswissenschaftliche Module studieren – die Immatrikulation erfolgt aber nicht über das Hauptfach Erziehungswissenschaft. Wenn man Erziehungswissenschaft (BA/ MA) im Haupt- oder Nebenfach studiert, stehen stattdessen alle pädagogischen Bereiche jenseits des Lehramtes offen.

Erziehungswissenschaft ist auch kein Studium der Psychologie! Mitunter weichen Bewerber/innen auf ein Studium der Erziehungswissenschaft aus, da sie aufgrund des NC keine Zulassung in Psychologie bekommen haben. Das Studium der Erziehungswissenschaft unterscheidet sich jedoch von einem Psychologiestudium. Zwar ist es in vielen Universitäten möglich oder sogar vorgeschrieben Psychologie im Nebenfach zu studieren, in einem erziehungswissenschaftlichem Studium muss man sich aber auch mit genuin erziehungswissenschaftlichen Inhalten beschäftigen. Allerdings gibt es zwischen den beiden Fächern in der späteren Praxis durchaus Überschneidungen. So gehen auch Erziehungswissenschaftler/innen in Arbeitsfelder, die eine große Nähe zu psychologischen Arbeitsfeldern haben, z.B. ins Feld der Beratung. Trotzdem unterscheidet sich das Studium und erfordert stärker als ein Psychologie-Studium auch die Auseinandersetzung mit philosophischen und/oder gesellschaftlichen Fragen.

Ein Studium der Erziehungswissenschaft ist auch keine praxisbezogene Erzieher/innen-Ausbildung. Zwar hat auch die Erziehungswissenschaft immer einen praxeologischen Anspruch, denn schließlich haben die Studierenden es nach Studienende mit ganz realen Menschen (unterschiedlicher Lebensalter) zu tun. Beim Studium der Erziehungswissenschaft handelt es sich jedoch um ein wissenschaftliches Studium. D.h. es ist im Studium auch eine Auseinandersetzung mit Theorien, Konzepten und Forschungsmethoden erforderlich. Diese sind nicht unbedingt vordergründig praxisrelevant und auch nicht immer auf den ersten Blick zu verstehen. Wie jedes wissenschaftliche Studium erfordert somit auch das Studium der Erziehungswissenschaft die Freude und Fähigkeit an intellektueller Auseinandersetzung und abstraktem Denken.